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  Melissa und ihr Weg ins Gefängnis
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Sklavin Jasmin
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  Melissa und ihr Weg ins Gefängnis Datum:09.09.26 13:00 IP: gespeichert Moderator melden


Teil 1

Melissa von Blankenburg, eine junge Frau von 24 Jahren aus Berlin, hatte blonde lange Haare, war 166 cm groß und hatte mit ihren stahlblauen Augen ein typisch deutsches Aussehen. Sie studierte Jura und entschloss sich vor 6 Monaten zwei Jahre im Ausland zu studieren. Aber sie wollte nicht die üblichen Nobelunis, sondern etwas besonderes, etwas anderes. Sie enschied sich für ein kleines afrikanisches, sehr sehr konservatives Land, in das sie mit ihrem offenen Lenbensstil eigentlich gar nicht passt. Aber sie liebte es aufzufallen, mit ihren Reizen zu spielen. Ihre Eltern, die zusammen mit ihren zwei Brüdern eine Anwaltskanzlei in Deutschland hatten, bedienten nur gehobenes Klientel. Hier war sehr auf Ettikette zu achten. Deshalb geriet Melissa mit ihren Eltern oft aneinander, sie waren verstritten, wegen ihres offenen Lebenswandels, was den guten Ruf der Kanzlei gefärhrdete. Ihre Eltern hielten nichts von dem Studium in einem eher armen arfrikanischen Land mit einer namenlosen Universität. Aber sie finanzierten es Melissa trotzdem, den irgendwie waren sie auch froh, wenn sie weg war und hofften, dass Melissa mit zunehmenden Alter solider wurde.

Die feuchte, fast klebrige Hitze schien selbst durch die dicken Mauern des kolonialen Fakultätsgebäudes zu dringen. Unter den träge kreisenden Deckenventilatoren saß Melissa, den Rücken aufrecht, die Hände locker über ihrem Notizbuch verschränkt. Sie brauchte die Klimaanlage nicht, um einen kühlen Kopf zu bewahren; nach sechs Monaten in diesem Land hatte sich ihr Körper an das tropische Klima gewöhnt – zumindest äußerlich.

In den vollbesetzten Rängen des Hörsaals für Straf- und Verfassungsrecht war sie dennoch unübersehbar. Mit ihren vierundzwanzig Jahren, dem glatten, hellblonden Haar, das ihr über die Schultern fiel, den markanten stahlblauen Augen und der hellen, trotz der Sonne kaum gebräunten Haut, stach sie aus der Menge heraus wie eine Signalfarbe. Unter den gut achtzig Studierenden ihres Studienjahrgangs, war Melissa die einzige weiße Frau. Es gab es neben ihr lediglich drei weitere weiße Frauen, ebenfalls Austauschstudentinnen aus Europa. Doch die studierten andere Fächer und während die drei anderen sich fast ängstlich aneinanderklammerten, in den Pausen unter sich blieben und versuchten, möglichst unsichtbar zu wirken, bewegte sich Melissa mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit durch die Gänge und genoss es aufzufallen.

Sie war nicht hierhergekommen, um sich zu verstecken. Berlin war weit weg, und dieses konservative, tief traditionelle Inselreich bot ihr eine ganz eigene, fast berauschende Reibungsfläche.

„Frau von Blankenburg?“, ertönte die tiefe, sonore Stimme von Professor Adebayo vom Podium herauf. Seine Brille blitzte im matten Licht, als er über den Rand seiner Manuskripte blickte. „Wie beurteilt das hiesige Gewohnheitsrecht den Tatbestand des Vertrauensbruchs im Verhältnis zu den kodifizierten Statuten von 1974?“

Ein leises Raunen ging durch die Reihen. Es war eine Fangfrage, gedacht, um unvorbereitete Studenten vorzuführen. Doch Melissa lächelte nur schwach, strich sich eine blonde Strähne hinter das Ohr und antwortete ohne Zögern in fließendem, präzisem Englisch: „Das Gewohnheitsrecht bricht in diesem Fall nicht die Statuten, Herr Professor, sondern ergänzt die Strafzumessung um die moralische Komponente der Gemeinschaftsehre. Paragraph 12 Absatz 3 greift erst, wenn der Ältestenrat keine Schlichtung erwirkt hat.“

Adebayo hielt für einen Moment inne, musterte sie streng, nickte dann aber kaum merklich. „Präzise formuliert. Danke.“

Als sie sich wieder setzte, spürte sie die Blicke. Zur Rechten saß David, einer der besten Studenten seines Jahrgangs, der ihr ein breites, anerkennendes Grinsen zuwarf und leise ein „Nicht schlecht, Blankenburg“ hinüberflüsterte. Sie erwiderte seinen Blick, ließ ihre Augen für eine Sekunde zu lang auf seinen Lippen ruhen und schenkte ihm jenes halbe, wissende Lächeln, das er genau verstand. Es war dasselbe Lächeln, mit dem sie am vergangenen Wochenende den Absolventen der Wirtschaftsfakultät in ihre Wohnung gelotst hatte.

Melissa nahm sich, was sie wollte. Die Männer hier – groß, selbstbewusst, oft geprägt von einem patriarchalischen Stolz – faszinierten sie. Und sie wusste ganz genau, welche Wirkung ihre Erscheinung auf sie hatte. Für sie war sie exotisch, begehrenswert, ein schillernder Kontrast zu den traditionellen Normen, die ihnen von Familie und Kirche eingeprägt worden waren. Melissa nutzte das schamlos aus; sie genoss die Aufmerksamkeit, das Werben, die heimlichen Berührungen im Schatten der Bibliothek.

Doch was niemand an diesem Campus wusste – weder die Professoren, die ihre scharfsinnigen juristischen Arbeiten lobten, noch die Kommilitonen, die sich in ihrer Nähe sonnten – war die dunklere Facette ihres Begehrens. Nach außen hin trat sie unabhängig, fast dominant und unnahbar auf. Doch hinter verschlossenen Türen, wenn die Lichter gelöscht waren und der Respekt der Gesellschaft keine Rolle mehr spielte, sehnte sie sich nach etwas ganz Anderem: nach Unterwerfung. Sie liebte es, die Kontrolle abzugeben, dominiert zu werden, den festen Griff einer Hand im Nacken zu spüren und Befehle auszuführen. Eine unauffällige, tief verborgene devote Ader, die sie bisher sorgsam hütete. In einer Gesellschaft, in der Moral und Gehorsam per Gesetz eingefordert wurden, war dieses Spiel mit dem Kontrollverlust für sie wie ein Rausch.

Weiter hinten im Saal war die Atmosphäre allerdings deutlich kühler.

Als Melissa nach Ende der Vorlesung ihre Unterlagen in die lederne Umhängetasche packte, schnitten zwei einheimische Studentinnen ihren Weg. Amina und Kendra, beide aus angesehenen, streng gläubigen Familien der Hauptstadt, würdigten sie keines Blickes, sprachen aber betont laut miteinander.

„Manche Leute denken wohl, gute Noten und ein westlicher Pass reichen aus, um sich hier alles erlauben zu können“, sagte Kendra mit schneidendem Unterton, während sie an Melissa vorbeizog. „Aber die Anstands- und Sittengesetze gelten für jeden. Egal, wie sehr man den Männern den Kopf verdreht.“

Melissa ließ sich nichts anmerken. Sie schloss den Reißverschluss ihrer Tasche, schwang sie über die Schulter und ging erhobenen Hauptes an den beiden vorbei. Sie kannte die Gerüchte, die Blicke, die Missgunst. Die einheimischen Frauen sahen in ihr eine Provokation – eine weiße Europäerin, die nicht nur akademisch glänzte, sondern die Männer der Universität um den Finger wickelte, ohne sich an die eisernen Anstandsregeln des Landes zu halten. Für Melissa war diese Feindseligkeit bisher nur Hintergrundrauschen gewesen. Ein lästiges, aber harmloses Nebenprodukt ihrer Freiheit.

Draußen auf dem sonnendurchfluteten Innenhof trat David an ihre Seite.

„Kommst du heute Abend mit in den Club an der Marina?“, fragte er mit gesenkter Stimme und trat dabei einen Schritt näher an sie heran, als es die gesellschaftlichen Konventionen in der Öffentlichkeit eigentlich erlaubten. „Ein paar von uns wollen feiern. Nur wir.“

Melissa sah zu ihm auf. Die Sonne spiegelte sich in ihren blauen Augen. Sie spürte den Nervenkitzel, die Gefahr, die in diesem Land in jeder Grenzüberschreitung lauerte – und ahnte noch nicht, wie schnell dieses starre System zuschnappen konnte, wenn man die unsichtbaren Linien einmal zu weit übertrat.

„Vielleicht“, sagte sie leise, mit einem Blick, der alles und nichts versprach. „Hol mich um neun ab.“

So lebte Melissa ihr Auslandsstudium. Beste Noten und hochbegabt aus reichem Hause. Das Studium und Luxusleben finanziert von den Eltern. Aber sie nahm sich auch jeden Mann den sie kriegen konnte und setzte ihre Reize gnadenlos ein, was sie bei den weiblichen Mitstudentinnen sehr unbeliebt machte. Es gab nur sehr wenige Studentinnen, mit denen sie sich gut verstand. Die meisten waren eifersüchtig auf ihre europäische, schamlose Art und sahen sie als Konkurrentin. Sie hassten Melissa.

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Erika2
Stamm-Gast





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  RE: Melissa und ihr Weg ins Gefängnis Datum:09.09.26 13:12 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Sklavin Jasmin,

so schön, dass es nach dem wunderbaren Schluss von Sklavin Florentine eine neue Geschichte gibt.
Ich bin schon so gespannt.

Devote Grüße

Erika
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Sklavin Jasmin
Story-Writer





Beiträge: 111

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  RE: Melissa und ihr Weg ins Gefängnis Datum:11.09.26 12:18 IP: gespeichert Moderator melden


Teil 2

Die Ankündigung erfolgte nicht über das offizielle Vorlesungsverzeichnis, sondern sprach sich wie ein Lauffeuer durch die Korridore des Instituts für Strafrecht.

Es war Professor Adebayo, der am Ende einer Vorlesung über Strafvollzug und Vollstreckungsrecht die Unterlagen auf seinem Pult ordnete und beiläufig eine seltene Gelegenheit in den Raum stellte. Das Frauengefängnis von St. Jude, ein für seinen harten Strafvollzug bekanntes Gefängnis, öffnete für gewöhnlich unter keinen Umständen seine Tore für Außenstehende. Es war die härteste Vollzugsanstalt des Staates, reserviert ausschließlich für Frauen, die zu langjährigen Strafen ab fünfzehn Jahren bis hin zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Ein hermetisch abgeriegelter Komplex, der unter eiserner, militärischer Disziplin geführt wurde.

Dass überhaupt über einen Besuch gesprochen werden durfte, verdankte die Fakultät einer familiären Verbindung: Kendras Tante, Victoria Mbeki, war die kommandierende Direktorin der Anstalt. Eine Frau, deren Name selbst unter gestandenen Richtern nur mit gedämpfter Stimme und unverhohlenem Respekt ausgesprochen wurde. Nach zähen Verhandlungen hatte sie eingewilligt, einer streng limitierten Gruppe von genau zwanzig ausgewählten, ausschließlich weiblichen Jurastudentinnen, eine zweitägige Studienbegehung zu gestatten. Der pädagogische Zweck war unmissverständlich: Die künftigen Juristinnen des Landes sollten mit eigenen Augen sehen, was es bedeutete, wenn die Gnade des Staates verwirkt war und die eiserne Härte des Gesetzes die volle Kontrolle übernahm. Die Besichtigung sollte zwei Tage dauern. Am ersten Tag Besichtigung des Vollzuges in der Haftanstalt, Übernachtung in der Kaseren des Wachpersonals, etwa zehn Kilomiter entfernt von dem Gefängnis, und am zweiten Tag der theoretische Teil, in dem erklärt wurde, warum der Vollzug so streng geführt wird und warum dies absolut berechtigt und verhälnismäße ist.

Männer waren in St. Jude vollkommen verboten. Die Anstalt wurde ausnahmslos von weiblichen Offizierinnen und Wärterinnen bewacht; selbst die Gefangenen sollten über Jahrzehnte hinweg jede Erinnerung an männliche Kontakte, sexuelle Reize, Schutz oder Einfluss verlieren. Eine vollkommene Isolation, getragen von kompromissloser Härte.

Als die Liste zur Eintragung im Sekretariat auslag, dauerte es keine zehn Minuten, bis sich die Reihen füllten. Unter den Bewerberinnen stand an achter Stelle: Melissa von Blankenburg.

Dass ausgerechnet Melissa sich gemeldet hatte, sorgte auf den Fluren sofort für Getuschel. Kendra und Amina hatten ihr im Vorraum des Dekanats Blicke zugeworfen, die zwischen Verachtung und unverhohlener Häme schwankten. Für Kendra war der Ausflug ein Heimspiel, eine Demonstration der Macht und der sittenstrengen Ordnung, die ihre eigene Familie verkörperte. Was wollte eine europäische Austauschstudentin, die für ihren lockeren Lebenswandel und ihre Verachtung lokaler Konventionen bekannt war, an einem solchen Ort?

Melissa jedoch hatte nicht eine Sekunde gezögert.

Während sie in den Tagen vor der Exkursion in ihrem Apartment am Schreibtisch saß und die wenigen verfügbaren Berichte über die Haftanstalt sichtete, kreisten ihre Gedanken unablässig um diesen Ort. Natürlich wusste sie, was die offizielle Lehrbuchmeinung dazu sagte: Isolation, Brechung des individuellen Willens, strikte Unterordnung unter ein militärisches Reglement. Doch während ihre Kommilitoninnen bei dem Gedanken an St. Jude Schaudern oder akademische Distanz empfanden, regte sich in Melissa eine ganz andere, tief verborgene Faszination.

Sie malte sich aus, wie der Alltag hinter diesen Mauern wohl tatsächlich ablaufen mochte. Frauen, fast vollkommen abgeschnitten von der Außenwelt, unterworfen einem System, in dem kein persönlicher Freiraum, keine Eitelkeit und kein Widerstand existierten. Ein Ort absoluter Kontrolle. Wie fühlte es sich an, wenn der eigene Wille Schritt für Schritt abgetragen wurde? Wenn jeder Atemzug, jedes Aufstehen, jeder Schritt auf den Millimeter genau befohlen wurde und jede Zuwiderhandlung sofortige, spürbare Konsequenzen nach sich zog?

Melissa ertappte sich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, dort nicht bloß als privilegierte Besucherin im maßgeschneiderten Hosenanzug durch die Gänge zu flanieren, sondern die eisige Realität dieser Unterwerfung am eigenen Leib zu spüren. Ihre heimliche devote Seite, die sie bisher nur in flüchtigen, kontrollierten Momenten hinter verschlossenen Türen ausgelebt hatte, reagierte auf die bloße Vorstellung dieser totalen Autorität mit einem heimlichen, prickelnden Schauer. Sie stellte sich die Drill-Übungen vor, den harten Tonfall der Wärterinnen, die absolute Hilflosigkeit und Ausgeliefertheit der Insassinnen. Ein gefährlicher, verbotener Gedanke – gerade hier, in einem Land, dessen Justizapparat keine Fehler verzieh.

Aber Melissa gab sich immer Mühe, ihre devoten Fantasien und Lüste zu unterdrücken und nicht nach außen zu erkennen zu geben. Dass passte nicht zu ihrem selbstbewussten Auftreten, der teuer und edel gekleideten jungen Frau, die sich von niemanden etwas sagen ließ und sich keinen anständigen Lebenswandel vorschreiben ließ. Sie musste Überlegenheit demonstrieren.

Am Morgen der Abfahrt lag bereits um kurz nach sieben eine drückende Schwüle über dem Campus. Vor dem Verwaltungsflügel der juristischen Fakultät wartete ein schwerer, dunkelblauer Gefängnisbus mit abgedunkelten, vergitterten Scheiben – ein erstes, unmissverständliches Signal der Anstaltsleitung, dass dieser Ausflug kein gewöhnlicher Universitätsausflug werden würde.

Melissa traf pünktlich ein. Sie trug eine edle, hochgeschlossene weiße Bluse, eine dunkle edle Stoffhose, dazu sehr hohe Stöckelschuhe, die extrem klackernde Geräusche von sich gaben,und hatte ihr langes blondes Haar zu einem straffen Zopf nach hinten gebunden und war stark und auffällig, aber nicht vulgär geschminkt. Aufgrund der teuren Kleidung und ihren Stöckschuhen stach sie unter den neunzehn einheimischen Studentinnen unweigerlich hervor und sie war die einzige Weiße in der Gruppe.

Kendra stand bereits an der Vordertür des Busses, flankiert von Amina. Sie sprach mit einer resolut wirkenden Aufseherin in olivgrüner Dienstuniform, deren Koppel mit Handschellen und Schlagstock bestückt war. Als Melissa sich näherte, verstummten die Gespräche der Umstehenden. Kendra musterte Melissa von oben bis unten, ein kaltes, überlegenes Lächeln auf den Lippen.

„Glaubst du wirklich, dass du da drin klarkommst, Melissa?“, fragte Kendra laut genug, damit die anderen Studentinnen es hören konnten. „Meine Tante duldet keine Extrawürste. In St. Jude gelten westliche Allüren gar nichts. Dort herrscht Disziplin.“

Melissa blieb ruhig stehen. Sie hielt Kendras Blick stand, ohne die Spur einer Verunsicherung zu zeigen. „Ich bin hier, um zu lernen, wie das hiesige Strafvollzugssystem in der Praxis funktioniert, Kendra. Genau wie du.“

„Wir werden ja sehen“, erwiderte Kendra scharf, wandte sich ab und stieg als Erste über die stählernen Tritte in den Bus.

Die Aufseherin trat an die Einstiegstür, ein Klemmbrett in der behandschuhten Hand. Ihre Stimme schnitt militärisch präzise durch die Morgenluft: „Ausweise bereithalten. Mobiltelefone, Smartwatches und jegliche privaten Gegenstände bleiben hier oder werden in die Verwahrbox gelegt. Wer versucht, unerlaubte Gegenstände auf das Gelände zu bringen, bleibt sofort an der Schleuse. Einsteigen, Einzelreihe!“

Eine nach der anderen traten die Studentinnen vor, gaben ihre Telefone ab und bestiegen den Bus. Die Atmosphäre war schlagartig ernst geworden; das anfängliche Kichern und Flüstern war vollkommen verstummt.

Als Melissa an der Reihe war, scannte die Wärterin ihren Studentenausweis, blickte kurz auf ihre blonde Erscheinung und heftete ihr einen nüchternen, fast geringschätzigen Blick an. Ohne ein Wort deutete sie mit dem Daumen nach innen.

Melissa stieg die Stufen hinauf. Der Innenraum des Busses roch nach kaltem Vinyl, Schweiß und Desinfektionsmittel. Die Sitze waren hart, ohne Polsterung, und durch die dicken Gitter vor den Fenstern brach das Sonnenlicht in harten Streifen auf den Mittelgang. Sie ging nach hinten durch und setzte sich an einen Einzelplatz am Fenster.

Kaum hatte sich die letzte Studentin gesetzt, zischte die hydraulische Tür mit einem schweren, metallischen Laut zu und verriegelte sich hörbar. Der Dieselmotor heulte dröhnend auf, und das schwere Fahrzeug setzte sich langsam in Bewegung.

Melissa blickte durch das Rautengitter der Scheibe nach draußen, während die vertrauten Gebäude des Campus zurückblieben und der Bus Kurs auf die abgelegenen, kargen Hügel außerhalb der Stadt nahm. Ihr Puls ging etwas schneller – nicht aus Angst, sondern getrieben von einer dunklen, nervösen Neugier auf das, was hinter den Mauern von St. Jude auf sie wartete.



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